Digitalisierung und Künstl. Intelligenz

Wahrhaft interdisziplinär war der Vortrag von Yvonne Hofstetter beim Studenten-Professoren-Treffen in der KHG, denn er ging weit über die rein technischen Aspekte der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz hinaus. Auch politische, ethische und philosophische Gesichtspunkte wurden von ihr benannt. Die Referentin hielt ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, dass die Politik da regulierend eingreifen müsse, wo die Grundrechte der Menschen verletzt werden und zeigte viele Beispiele auf, wo genau das der Fall ist. Hier gibt es ja einen echten Clash der Kulturen, weil die weltweit dominierenden Konzerne des Silicon Valley sich am US-amerikanischen Ethos des freien Marktes orientieren, dem jedes staatliche Eingreifen zuwider ist, und weil Grundrechte oder ethische Grundsätze dabei eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Dabei bedeute Regulierung keineswegs, dass Innovation schlechter möglich sei.

Ein anderes Beispiel: 50 % aller Berufsbilder werden in den nächsten 15 Jahren verschwinden, neue werden entstehen. Auch hier wäre nach ihrer Meinung die Politik gefragt, beschäftige sich aber bisher viel zu wenig mit der Problematik. An die Teilnehmer der sehr gut besuchten Veranstaltung appellierte sie, das eigene Bewusstsein zu schärfen, nicht alles kritiklos und unhinterfragt hinzunehmen und Informationen nicht nur aus den Blasen der sozialen Netzwerke zu beziehen.

Die Referentin erhielt lang anhaltenden Applaus für ihren Vortrag, die Diskussion danach wurde im berstend vollen und schwül-warmen KHG-Raum engagiert geführt. Manche fanden ein Aufhalten der Entwicklung nicht realistisch und auch nicht wünschenswert, auch die positiven Aspekte der Digitalisierung wurden eingefordert. Die herausfordernden Fragen werden bleiben: Wohin können wir? Wohin wollen wir? Und wenn das nicht das Gleiche ist: Wie kann man beides miteinander in Einklang bringen? (Reinhard Weger)